European Youth Culture Award
Allgemein EYCA 2017

Eine Lobby für die Jugend Europas

Cube ist gute angewandte Jugendkulturarbeit. Das Team zählte 2017 zu den Finalisten des ersten European Youth Culture Awards. Die Arbeit der Leipzigerinnen hat seitdem einen weiteren Sprung gemacht, Cube geht als nominiertes Projekt aus Deutschland ins Rennen um den Europäischen Jugendkarlspreis 2018. Tendenz aufwärts. Ein Update.

Annika Stange und ihre Kollegin Asiya Ahmed bei der Verleihung des EYCA 2017.

Cube heißt Würfel. Cube ist auch der Name einer 2016 gegründeten NGO, die sich aus sieben jungen Frauen in drei Ländern Europas zusammensetzt – oder: zusammenwürfelt – und die Europa in Schulen und Jugendbildungseinrichtungen stattfinden lassen möchte, entwickelt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. So, dass am Ende ein Konzept steht, das die Europäische Union zukunftsfähig macht. Die Stimme der Jugend Europas in den Bereichen Politik und Wirtschaft hörbar zu machen, das non-formale Format ist ehrgeizig. Das muss es auch sein, junge Lobbyarbeit ist vielen Entscheidern zu wenig profitabel.

Annika Stange arbeitete bis von Februar 2017 bis Januar 2018 für Cube. Sie schlüsselt die drei Schwerpunkte in der Arbeit der NGO auf: „Erstens die Workshops konzipieren und sie im Anschluss durchführen, zweitens Ergebnisse sammeln und analysieren, drittens Lobbyarbeit.“ Annika kümmerte sich um den ersten Bereich. Sie ist seminarerfahren und sagt, „ich sehe mich später auch in der jugendpolitischen Bildungsarbeit“. Inzwischen verfolgt die 24-Jährige ihr Masterstudium.

Standort Leipzig, Perspektive Europa: Annika vor dem Cube-Büro.

„Dass politische Entscheider Jugendliche als wenig attraktive Zielgruppe wahrnehmen, weil sie noch nicht wählen dürfen oder über ein festes Einkommen verfügen, erweckt bei der jungen Generation den Eindruck, sie kann sowieso nichts ändern. Ihr Potential muss stärker berücksichtigt werden.“

Aber wie? Im Gespräch mit den Teilnehmenden ermitteln die Cuberinnen, „wo Partizipation schon stattfindet, wo noch nicht und warum das nicht der Fall ist“. Annika nennt ein Beispiel, das sich in europäische Dimensionen übersetzen lässt: „Stehen eine Wahl oder ein Referendum an, sprechen sich die meisten Jugendlichen dafür aus, online abzustimmen. Das geht aber nur, wenn alle Bürger Internetzugang haben.“ Der oftmals geäußerte Vorwurf, Jugendliche wollten sich nicht einbringen, sei falsch.

„Die soziale Mobilität hat zugenommen. Die junge Generation muss flexibel sein. Ihr das vorzuwerfen, ist unfair.“

Die Cuberinnen bündeln die Ergebnisse aus der 2017er-Pilotphase ihrer Workshops etwa zu dem Vorschlag, neue Formen des Engagements zu schaffen, die über einen kürzeren Zeitraum laufen können.

Seit Februar 2018 stehen 15 studentische Facilitators in den Startlöchern, um Klassen oder Gruppen zunächst an das „Spielfeld“ Politik heranzuführen. Mitunter in Bezug auf den Würfel, den Rubiks Cube. Strategiebegeistert oder nicht, das drehbare Spielzeug mit den bunten Außenflächen, die sich in jede Richtung verschieben lassen, haben nahezu alle Jugendlichen schon einmal gesehen. „Politik funktioniert vergleichbar. Jeder kann daran drehen“, sagt Annika. Sie weiß allerdings, dass Theorie und Praxis selten deckungsgleich sind und ihre Workshops bisher „nur die besser gebildeten Schüler erreichen. Das ist ein Problem, auch auf europäischer Ebene“.

Ihre Kolleginnen reisen aktuell durch Italien, Slovenien und Polen, um weitere Faciltators auszubilden die direkt im Anschluss Workshop in ihrer lokalen Schule geben und eine*n lokale*n Politiker*in dazu einladen. Warum auch warten?

Von Tanja Kasischke; Fotos: Privat (2), Olad Aden

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